Bewertung Russland "Militär und Wirtschaft"

Stand: September 2026

Aktuelle Lageberichte und Wirtschaftsdaten zeigen, dass Russland seine Kriegswirtschaft nach viereinhalb Jahren Konflikt massiv intensiviert hat, dabei jedoch zunehmend unter strukturellem und finanziellem Druck steht. 

⚔️ Kriegsführung und Militärstrategie

  • Massiver Drohnen- und Abwehrkrieg: Russland meldete binnen 24 Stunden den Abschuss von über 1.000 ukrainischen Drohnen – allein 777 in einer einzigen Nacht über mehreren Regionen und der Krim. Gleichzeitig führt die russische Armee heftige Luftangriffe mit Drohnen und Gleitbomben auf Kiew und die Ostukraine durch, bei denen wichtige Infrastruktur wie Tankstellen und Logistikzentren zerstört wurden. 
  • Hybride Kriegsführung im Westen: Dem Kreml werden verstärkt Sabotageakte und hybride Angriffe in Europa vorgeworfen. Jüngst führte die Entdeckung einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle (August 2026) zu diplomatischen Vergeltungsmaßnahmen und harten Drohungen aus Moskau gegen deutsche Rüstungsbetriebe. 
  • Nukleare Drohungen: Angesichts von Diskussionen über eine nukleare Teilhabe Litauens warnte der Kreml das EU-Land deutlich und drohte damit, das litauische Territorium ins Visier der eigenen Atomwaffen zu nehmen. 
  • Internationale Allianzen: Wladimir Putin befindet sich aktuell zum BRICS-Gipfel in Neu-Delhi (Indien), um die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen abseits des Westens zu festigen. 

📉 Wirtschaftliche Lage und Staatsfinanzen

  • Explodierende Militärausgaben: Berechnungen zufolge stiegen Russlands Militärausgaben allein im ersten Quartal um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (auf ca. 5,9 Billionen Rubel / 59 Milliarden Euro). Ein Großteil des Haushalts wird inzwischen geheim gehalten.
  • Künstliches Wachstum & Stagnation: Auf dem Papier wuchs das BIP im zweiten Quartal 2026 zwar im Jahresvergleich um 1,3 Prozent – dieses Wachstum wird jedoch rein durch die Rüstungsindustrie getrieben (Wertschöpfung +20 %). Der zivile Sektor stagniert völlig (+0,4 %) und liegt inflationsbereinigt weit unter dem Niveau von 2020.
  • Gegensteuernde Geldpolitik: Wegen des anhaltend hohen Preisdrucks hält die russische Zentralbank unter Elvira Nabiullina den Leitzins auf extrem hohen 14 Prozent. Die Inflation liegt aktuell bei rund 6 bis 7 Prozent. Die Zentralbank warnt vor einem massiven Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, da der Staat Arbeitskräfte und Ressourcen für den Krieg absaugt ("Crowding-out-Effekt").
  • Haushaltsdefizit und Steuererhöhungen: Für das Gesamtjahr 2026 wird mit einem strukturellen Haushaltsdefizit von zwei Prozent des BIP gerechnet. Um die Kriegskosten zu decken, hob der Kreml Anfang 2026 den Spitzensteuersatz der Einkommensteuer sowie die Mehrwertsteuer auf 22 Prozent an.
  • Verletzlichkeit der Energie-Infrastruktur: Durch gezielte ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien brach die Benzinproduktion im Land im Sommer drastisch ein (teilweise um 25 %). Zwar spülen globale Konflikte wie im Nahen Osten temporär wieder Geld über den Ölpreis in die Kassen, die westlichen Sanktionen gegen die russische "Schattenflotte" und Finanzinstitute wurden von der EU und den USA jedoch im Juli/August abermals massiv verschärft.