Banken und die Immobilienfinanzierung 

"Strenge Prüfung wie selten zuvor"

Stand: 11. Oktober 2026

Banken in Deutschland prüfen Immobilienfinanzierungen derzeit so streng wie selten zuvor. Angetrieben durch die Bankenregulatorik 2026, verschärfte Aufsichtsregeln, gestiegene Zinsen und wirtschaftliche Unsicherheiten haben Finanzinstitute ihre Risikomodelle massiv angepasst. 

Die fünf wichtigsten Hebel, bei denen Banken heute genauer hinschauen und was Kreditnehmer tun können:

1. Konservative Immobilienbewertung

Die Banken ermitteln den sogenannten Beleihungswert heute extrem vorsichtig. Oft liegt der von der Bank geschätzte Wert deutlich unter dem tatsächlichen Kaufpreis. 

Die Folge: Es entsteht eine Finanzierungslücke, die der Käufer durch zusätzliches Eigenkapital ausgleichen muss. 

2. Strengere Haushaltsrechnungen (Pauschalen)

Bei der Prüfung des frei verfügbaren Einkommens rechnen Banken mit deutlich höheren Lebenshaltungskosten- und Instandhaltungspauschalen. Damit wollen sie sicherstellen, dass Kreditnehmer auch bei anhaltender Inflation oder unerwarteten Ausgaben ihre Raten bedienen können. 

3. Fokus auf Energieeffizienz und ESG

Der energetische Zustand einer Immobilie entscheidet maßgeblich über die Zusage. Häuser mit schlechten Energieklassen (z. B. G oder H) werden mit hohen Risikoabschlägen belegt, da zukünftige Sanierungskosten direkt in die Liquiditätsrechnung der Bank einfließen. 

4. Höhere Anforderungen an das Eigenkapital

Während vor einigen Jahren noch 100 %-Finanzierungen möglich waren, verlangen Institute heute meist mindestens die Deckung der Kaufnebenkosten (Notar, Grundbuch, Makler) sowie zusätzliche 10 bis 20 % des Kaufpreises als Eigenkapital, um das Risiko zu senken. 

5. Lückenlose Dokumentationspflicht (WIFSta)

Aufgrund gesetzlicher Meldepflichten an die Deutsche Bundesbank (Wohnimmobilienfinanzierungsstatistik) müssen Banken jede Vergabe bis ins kleinste Detail nachweisen. Daher fordern sie weit mehr Unterlagen an als früher und haken bei Unstimmigkeiten sofort kritisch nach. 


Strategien für den Immobilienkauf

Da jede Bank eine eigene Risikopolitik verfolgt und Anträge unterschiedlich bewertet, entscheidet die Vorbereitung über Erfolg oder Ablehnung. 

Herausforderung Lösung für Käufer
Niedriger Beleihungswert Vorab Objektunterlagen prüfen lassen; Kaufpreis nachverhandeln.
Strikte Budgetprüfung Ein lückenloses Haushaltsbuch führen; Konsumkredite vorab tilgen.
Sanierungsstau Verbindliche Kostenvoranschläge von Handwerkern direkt einreichen.
Strenge Bankenkriterien Unabhängige Vermittler nutzen, um Angebote von Hunderten Banken zu vergleichen.

Wird eine Finanzierungsabsage in der Schufa eingetragen?

Nein, eine Bank meldet eine gescheiterte Immobilienfinanzierung nicht explizit als „Abgelehnt“ an die SCHUFA. Es gibt in der SCHUFA kein Merkmal für eine verweigerte Kreditvergabe. 

Dennoch kann das Scheitern unter bestimmten Bedingungen indirekte Spuren hinterlassen. Entscheidend ist, wie die Bank die vorherige Bonitätsprüfung bei der SCHUFA angefragt hat.


Die Art der Anfrage entscheidet über die Auswirkung

Bevor eine Bank eine Finanzierung zu- oder absagt, stellt sie eine Anfrage bei der SCHUFA. Hierbei nutzen Banken zwei unterschiedliche Anfragearten:

Anfragearten:

Anfrageart Sichtbarkeit für andere Banken Auswirkung auf den Score Relevanz bei einer Absage
Anfrage Kreditkondition
(Konditionsanfrage)
Nein, nur Sie selbst sehen diese in Ihrer Eigenauskunft. Absolut neutral. Der Score verändert sich nicht. Völlig risikofrei. Scheitert die Finanzierung danach, erfährt niemand davon.
Anfrage Kredit
(Kreditanfrage)
Ja, für 10 Tage können andere Banken diese Anfrage sehen. Negativ, wenn mehrere Anfragen ohne Abschluss aufeinanderfolgen. Gefährlich. Da kein Kreditvertrag gemeldet wird, „denkt“ die SCHUFA, Sie wurden abgelehnt.

Warum wird eine falsche Anfrage zum Problem?

Seriöse Banken und Finanzierungsvermittler nutzen für unverbindliche Angebote standardmäßig die „Anfrage Kreditkondition“. Kommt es hier nicht zum Vertrag, verfällt die Anfrage nach einem Jahr spurlos, ohne dass Ihr Score berührt wird. 

Stellt eine Bank jedoch fälschlicherweise eine verbindliche „Anfrage Kredit“ und lehnt Sie danach ab, bleibt die Anfrage 12 Monate in Ihrer Akte. Da andere Banken in den ersten 10 Tagen sehen, dass angefragt, aber kein Kredit verbucht wurde, wird automatisch von einer mangelnden Bonität ausgegangen. Dies verschlechtert Ihren Score temporär. 


Was Sie jetzt tun sollten

  1. Prüfen Sie Ihre SCHUFA-Daten: Laden Sie eine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DS-GVO direkt bei der SCHUFA herunter.
  2. Einträge kontrollieren: Prüfen Sie, ob die Bank eine Konditionsanfrage oder eine Kreditanfrage gestellt hat.
  3. Falsche Einträge korrigieren lassen: Sollte eine Bank ohne Ihre explizite Einwilligung für einen finalen Kreditvertrag eine „Anfrage Kredit“ gemeldet haben, können Sie diese über das Reklamationsportal der SCHUFA umgehend korrigieren oder löschen lassen.