Lage in Israel "Politik, Wirtschaft, Militär und Menschen"

Wird Benjamin Netanjahu wiedergewählt werden?

"The News of the day"

Stand: 24. Oktober 2026, 23.0] Uhr

Laut aktuellen Umfragen der vergangenen Monate droht dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seinem rechten Regierungsbündnis bei der Parlamentswahl am 27. Oktober 2026 der Verlust der parlamentarischen Mehrheit. 

Die Prognosen deuten vor allem auf ein politisches Patt (Deadlock) zwischen Netanjahus Block und der Opposition hin, wobei die Chancen für eine direkte und stabile Wiederwahl seiner bisherigen Koalition schlecht stehen.

Was sagen die Prognosen im Detail?

  • Verlust der Mehrheit für Netanjahus Lager: Für eine Regierungsbildung in der Knesset sind mindestens 61 der 120 Sitze notwendig. Nach übereinstimmenden Medienberichten und Erhebungen (unter anderem laut dem Handelsblatt am 24. Oktober 2026) kommt das traditionelle Lager um Netanjahus Likud-Partei derzeit nur noch auf rund 50 bis 52 Sitze. 
  • Starker Herausforderer: Der größte Konkurrent ist das oppositionelle "Bündnis des Wandels" (Gush Hashinoui) unter der Führung des ehemaligen Generalstabschefs Gadi Eisenkot und seiner neu gegründeten zentristischen Partei Jaschar. Eisenkots Partei liegt in vielen Umfragen knapp vor dem Likud; in direkten Umfragen zum Ministerpräsidentenamt verzeichnete Eisenkot zeitweise einen deutlichen Vorsprung. 
  • Keine Mehrheit für die Opposition: Obwohl der Oppositionsblock (zu dem auch Bejachad von Naftali Bennett und Jair Lapid gehört) knapp vor Netanjahu rangiert, verfehlt auch er die 61 Sitze. Ein Bündnis der zionistischen Opposition mit den arabischen Parteien (wie Ra'am), die den Zünglein an der Waage bilden könnten, wird von Eisenkot bisher wegen fehlender gemeinsamer Werte ausgeschlossen. 

3 Szenarien, wie Netanjahu dennoch an der Macht bleiben könnte

Der Politikwissenschaftler Ofer Kenig vom Israel Democracy Institute wies im Handelsblatt darauf hin, dass Netanjahu nicht zwingend gewinnen muss, um im Amt zu bleiben – es darf lediglich niemand anderem gelingen, eine Mehrheit zu organisieren. Folgende Auswege bieten sich ihm trotz schlechter Umfragen: 

  1. Weiterregieren als geschäftsführender Premier: Erzielt kein Block eine Mehrheit und scheitern alle Versuche der Regierungsbildung, bleibt Netanjahu gesetzlich so lange als geschäftsführender Ministerpräsident im Amt, bis eine neue Regierung das Vertrauen der Knesset gewinnt. In dieser Rolle besitzt er weiterhin erhebliche Machtbefugnisse. 
  2. Das Zünglein an der Waage durch Kleinstparteien: Aufgrund der Sperrklausel von 3,25 % fallen Stimmen für scheiternde Parteien weg. Sollten kleine, Netanjahu-kritische oder rechte Parteien (wie Amcha Israel von Ofer Winter oder die Reservisten von Joaschendel) knapp an der Hürde scheitern, könnte dies die Sitzplatzverteilung nachträglich zu Netanjahus Gunsten verschieben. 
  3. Erzwungene Einheitsregierung (Rotationsprinzip): Angesichts eines drohenden, dauerhaften Patts könnte Staatspräsident Izchak Herzog auf ein Bündnis aus Eisenkots Jaschar und Netanjahus Likud drängen. Eisenkot schloss eine solche Rotation mit Netanjahu zwar am 21. Oktober 2026 im Radio unmissverständlich aus, Analysten betonen jedoch, dass sich die Dynamik im Falle extremer geopolitischer Krisen (z. B. einer Eskalation mit dem Iran) schnell ändern kann. 

Fazit: Eine klare Mehrheit für eine Fortführung von Netanjahus aktueller Rechtskoalition gilt laut Daten der Zentralen Wahlkommission und aktuellen Medienberichten als unwahrscheinlich. Durch das stark zersplitterte Parteiensystem und die Unfähigkeit der Opposition, eine geschlossene Mehrheit inklusive der arabischen Fraktionen zu formen, ist ein politisches Patt das wahrscheinlichste Ergebnis. Dies hält Netanjahu über den Hebel der geschäftsführenden Regierung vorerst im Spiel.

Lage in Israel "Politik, Wirtschaft, Militär und Menschen"

"The News of the day"

Stand: 24. Oktober 2026, 22.00 Uhr

Am späten Abend des 24. Oktober 2026 ist die Lage in Israel von einer akuten militärischen Eskalation im Westjordanland und dem bevorstehenden, historischen Wahltag am kommenden Dienstag geprägt. 

Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:

🎖️ Militär: Großoffensive im Westjordanland läuft

  • Militäreinsatz in Hebron: Als Reaktion auf einen Schusswaffenangriff nahe Hebron, bei dem am Freitag zwei israelische Soldaten getötet wurden, führt ein Großaufgebot von Armee, Grenzpolizei und dem Inlandsgeheimdienst Shin Bet eine umfassende „Anti-Terror-Operation“ durch. 
  • Abriegelung: Die Großstadt Hebron sowie umliegende Ortschaften wurden von der Außenwelt abgeriegelt; Straßensperren wurden errichtet. Ministerpräsident Netanjahu hat zudem eine vollständige Abriegelung des gesamten Westjordanlands in die Wege geleitet. 
  • Zerstörungen: Die Armee geht koordiniert von Haus zu Haus, um Terrorinfrastruktur ausfindig zu machen, und reißt Gebäude ab, die als Sicherheitsbedrohung eingestuft werden. Der Einsatz soll mehrere Tage andauern. 

🗳️ Politik: Wahlkampf auf der Zielgeraden

  • Erste Wahl nach dem 7. Oktober: Am kommenden Dienstag, dem 27. Oktober, stimmt Israel erstmals seit dem verheerenden Hamas-Terrorangriff von 2023 über ein neues Parlament ab. 
  • Netanjahu unter Druck: Das Thema Sicherheit dominiert das Geschehen völlig. Beobachter werten das extrem harte militärische Durchgreifen im Westjordanland auch als Teil von Netanjahus Wahlkampfstrategie, um bei der rechten Wählerschaft Entschlossenheit zu demonstrieren. 
  • Keine klaren Mehrheiten: Jüngste Umfragen zeigen eine tiefe politische Polarisierung; weder Netanjahus Likud-Block noch das Oppositionsbündnis unter Führung von Ex-Generalstabschef Gadi Eisenkot haben derzeit eine sichere Aussicht auf eine absolute Mehrheit. 

📉 Wirtschaft: Vorbereitungen auf Finanz-Sanktionen

  • Krypto-Notfallpläne: Ministerpräsident Netanjahu hat am Samstag überraschend erklärt, dass sich das Land auf mögliche internationale Bankensanktionen vorbereitet. 
  • Blockchain als Ausweg: Um den wirtschaftlichen Handlungsspielraum im Falle internationaler Restriktionen zu sichern, zieht die Regierung den gezielten Einsatz von Kryptowährungen und Blockchain-Technologien in Betracht. 

👥 Die Menschen: Massenproteste und Massenvertreibungen

  • Zehntausende auf den Straßen von Tel Aviv: Am Samstagabend kam es in der Küstenmetropole erneut zu gewaltigen Massenprotesten. Angehörige von Opfern und ehemaligen Geiseln fordern vehement den Rücktritt der rechtsgerichteten Regierung sowie eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission zu den Versäumnissen rund um den 7. Oktober 2023. 
  • Massive Vertreibungen in Hebron: Auf palästinensischer Seite herrscht im Raum Hebron blanke Not. Nach offiziellen Angaben wurden am Samstag bereits rund 1.500 bis 2.200 Palästinenser von der israelischen Armee gezwungen, ihre Häuser fluchtartig zu räumen. Lokale Behörden haben den Ausnahmezustand ausgerufen. Die UN äußerte sich zutiefst besorgt über kollektive Bestrafungen und massive Einschränkungen der Lebensgrundlagen.